Warum Sonntage so schön sind

Sonntage sind besondere Tage. Tage, an denen man länger schlafen oder sogar ganz im Bett bleiben kann. Sonntage sind gemütlich und für Freunde und Familie reserviert. So halten es auch Wendelin und seine quirlige Freundesschar, die zusammen in einem kleinen, hübschen Haus wohnen. Wenn die ganze Woche über tausend verschiedene Dinge passieren und ständig das Telefon klingelt, weil Tante Gertrud wissen will, ob etwas interessantes geschehen ist, nur um kurz darauf persönlich vorbei zukommen, dann ist es nur verständlich, dass Hase, Maus, Ente und Schaf zusammen mit Wendelin ihr Sonntagsritual mit allem Drum und Dran voll auskosten wollen.

Wie Sonnenstrahlen entfalten die kurzen, locker zusammen hängenden Einzelgeschichten von Kristina Andres beim Vorlesen ihre Stahlkraft und erwärmen nicht nur das Herz, sondern auch das Gemüt. Der Charme der Geschichten entwickelt sich aus den unscheinbaren Alltagsbegebenheiten, die die liebenswerten Protagonisten aus einer kindlichen Perspektive heraus besonders erscheinen lassen. Es ist das Staunen über scheinbar Belangloses, dass in der übersichtlichen Welt von Wendelin und Co stets für Abwechslung, Heiterkeit und Aufregung sorgt.

Letztere bringt mit schöner Regelmäßigkeit Tante Gertrud mit sich. Insbesondere ihr Fund im Keller verändert das Leben von Neffe Wendelin und dessen Hausgenossen beträchtlich. Kaum hat die geschäftige Tante das gefundene Telefon – schön altmodisch mit großer Wählscheibe und langem Kabel – beim Neffen installiert, klingelt es beständig. Es könnte ja etwas passiert sein und als Tante muss man eben stets auf dem Laufenden bleiben. Dank der außergewöhnlichen Geschenke von Tante Gertrud ist tatsächlich immer etwas los in dem kleinen Haus.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Andres, Kristina: Warum Sonntage so schön sind – Geschichten von Wendelin und Tante Gertrud, Nilpferd, 2017, €14,95.

Ikarus fliegt

Es gibt Themen, die meidet man aus persönlichen Gründen oder weil sie gerade etwas überstrapaziert werden. Beim Thema Mobbing stellen sich mir persönlich die Nackenhaare auf. Bis auf ein paar Gängeleien, die wahrscheinlich in jeder Schullaufbahn vorkommen, habe ich es sowohl in der Grundschule als auch an der weiterführenden Schule ganz gut angetroffen und blicke mit überwiegend positiven Gefühlen zurück.

Mit der systematischen Form des Ärgerns, Belästigens, Drohens und Verfolgens bin ich erst im Referendariat konfrontiert worden. Da solche Vorkommnisse in den letzten zehn Jahren leider nicht weniger geworden sind, ist die literarische Präsenz solcher Themen ausgesprochen wichtig. Insbesondere dann, wenn verschiedene Perspektiven aufgezeigt werden.

Alex gehört zu den Opfern. Immer wieder gerät er ins Visier von Alan und seiner Gang. Die einzige Möglichkeit dem zu entkommen, ist sich möglichst unsichtbar zu machen. Keine Angriffsfläche zu bieten. Alex vervollkommnet dieses Verhalten soweit, dass es ihm gelingt den Nachhauseweg mit dem direkt nebenan wohnenden David, der zudem in seine Klasse geht, zu umgehen. Als der Neue in der Klasse  steht David ebenfalls auf der Liste von Alan, hat mit seinem defensiven Verhalten aber nicht ganz soviel Erfolg wie Alex. Bevor sich die beiden Außenseiter anfreunden und ihre Freundschaft auch nach außen zeigen, müssen sie einen steinigen Weg hinter sich bringen. Alex muss mehr als einmal gegen die Versuchung ankämpfen sich Alan anzuschließen, als dieser ihm ein „Du kannst dazugehören“ signalisiert. David hingegen kämpft mit dem Dämon des abwesenden Vaters und will mit einer lebensgefährlichen Aktion ein Zeichen setzten. Einer Aktion, deren Ursprung in die Tiefen der griechischen Mythologie zurückgeht.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Christie, Sally: Ikarus fliegt, Aladin, 2017, € 14,95.

Nickel und Horn – Zwei Detektive mit Durchblick

Als bekennende Meerschweinchen-Freundin, gehen die lieben Kolleginnen automatisch davon aus, dass ich jedes Buch in dem in irgendeiner Form diese possierlichen Tierchen vorkommen, einatme. Umso größer war das Erstaunen, ja die Empörung, als ich zugeben musste, das neueste Werk noch nicht gelesen zu haben. Zu meiner Verteidigung sei erwähnt, dass der Wille durchaus vorhanden war, aber die Auslieferung kurz vor meinem Urlaub war schlicht ein ungünstiger Zeitpunkt.

Die Begeisterung ob dieser ausgesprochen vergnüglichen Vorlesegeschichte ist nun umso größer. Meerschweinchen erfreuen sich – ebenso wie Hunde – immer wieder und zur Zeit auffallend oft, größter Beliebtheit bei den Autoren.   Meines Wissens durften sich die Schweinchen aber bisher noch nicht als Detektiv betätigen. Dies allein ist also schon ein Novum, aber ein Duo aus Papagei und Meerschwein hat die Welt wohl noch nicht gesehen.

Beheimatet bei einem echten Detektiv, haben Nickel und Horn die Detektivarbeit von der Picke auf gelernt. Zumindest theoretisch wissen sie also was zu tun ist. Rein praktisch ist  das natürlich so eine Sache, denn Herr Locke hat sich mit seinen 90 Jahren in den wohl verdienten Ruhestand begeben. Damit dieser nicht in Gefahr gerät, wachen Hund Schlappi und Haushälterin Frau Perle mit Argusaugen über den Hausherrn. Doch was tun, wenn sich direkt nebenan die schlimmsten Verbrechen ereignen und Nachbarjunge Paul dringend die Hilfe eines erfahrenen Profidetektivs braucht? Keine Frage, Nickel und Horn stürzen sich wagemutig ins Abenteuer und begeben sich auf die Suche nach dem hinterafrikanischen Pupsetier. Auf den Spuren dieses ungewöhnlichen Zeitgenossen ist ihnen kein Weg zu weit und keine Gefahr zu groß.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Beckerhoff, Florian: Nickel und Horn – Zwei Detektive mit Durchblick, Thienemann, 2017, €12,99.

Die Krähe am See

Das Krähen schlaue Wesen sind, die ein planerisch wirkendes Verhalten an den Tag legen, ist mir vor vielen Jahren das erste Mal aufgefallen, als ich mich bei meinen morgendlichen Laufaktivitäten am Rhein über die Mitmenschen ärgerte, die des Nachts ganz offensichtlich nichts anderes zu tun hatten, als die Mülleimer am Rheinufer zu entleeren. Da ich nicht glauben wollte, was ich dann eines Tages sah, brachte erst das sich mehrmals wiederholende Geschehen die Erkenntnis, dass die Rabenvögel nicht nur gezielt den Inhalt von Mülleimern nach draußen befördern, sondern auch Muscheln und Wasserschnecken den Fluten von Vater Rhein entreißen, um sie aus größerer Höhe auf die asphaltierte Promenade zu werfen.

Bis zu dieser Erkenntnis, bzw. Beobachtung dauerte es wieder ein Weilchen und bis dahin war es mir ein unheimlich wirkendes Rätsel, wie diese Wassertiere bei normalem Pegelstand den beträchtlichen Höhenunterschied von alleine überwinden konnten.

Darüber hinaus sind Raben und Krähen seit jeher Bestandteil der fantastischen Literatur, wo sie über eine erstaunliche Intelligenz hinaus auch immer wieder mit Zauberkräften in Erscheinung treten. Martina Wilder verbindet in ihrer Gänsehaut verursachenden Geschichte „Die unheimliche Krähe am See“ Realität, Aberglaube und eine gehörige Portion Spuk und löst damit wohlige Schauer und ein unheimliches Gefühl beim Lesen aus.

Allein die Tatsache, dass Eddi im weit entfernten Chemnitz plötzlich ein ausgeprägtes Interesse für diese Vögel entwickelt und die befreundete Ida aus dem Allgäu einen Hilferuf an ihn und seinen Bruder sendet, weil ihre Oma beim Baden in einem See regelmäßig von Krähen verfolgt wird, wirft mehr als eine Frage auf und lässt nicht unbedingt an einen Zufall glauben. Letztendlich gibt es aber für alles eine Erklärung. Bis die gefunden ist, müssen die Kinder jedoch einem Familiengeheimnis der besonderen Art auf den Grund gehen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahren.

Wildner, Martina: Die unheimliche Krähe am See, Beltz, 2017, € 12,95.

Die königlichen Kaninchen von London

Neben der Häschenschule gehört auch hierzulande „Peter Hase“ von Beatrix Potter zu den Vorleseklassikern. Die Langohren tummeln sich quietschfidel in Wald und Feld, um dann hin und wieder einen Abstecher in gepflegte Gemüsegarten zu unternehmen, die natürlich nicht ohne Folgen bleiben.

Verstärkung bekommt die Hasen-Liga nun von den etwas kleineren und literarisch bisher gänzlich unauffälligen Kaninchen. Ausgerechnet der ewig zaudernde, der zaghafteste und kleinste unter den Geschwistern, Shylo Tawny-Tail, gerät in ein haarsträubendes Abenteuer, bei dem um mehr geht, als um wohlschmeckende Möhren und Kohlköpfe. Es gilt die Ehre der englischen Königin zu wahren. Ihre Majestät befindet sich nämlich im Visier der verruchten Ratzes. Diese Rattenbande hat nichts anderes im Sinn, als dem Ansehen der Majestät zu schaden. Welch Glück für Shylo, dass Horatio, ein weiser, alter Kaninchenherr die Gefahr erkennt und auch weiß, was zu tun ist. Und plötzlich ist Shylo mittendrin in einem Abenteuer, von dem er nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Ohne sich von seiner Familie zu verabschieden, muss er sofort nach London aufbrechen, um dort Kontakt zu den Königlichen Kaninchen aufzunehmen. Dieser Geheimbund zum Schutz ihrer Majestät ist der geheimste von allen und somit wissen in der Kaninchenwelt auch nur sehr wenige von dessen Existenz. Shylo hat also allen Grund weiche Knie und ein wenig Herzklopfen zu haben. Aber das darf man ja auch. Entscheidend ist, dass man trotzdem den Mut hat etwas zu tun. Genau davon erzählt diese herzerfrischende Geschichte, die zudem mit wunderbaren Illustrationen aufwartet.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Montefiore, Santa; Montefiori Sebag, Simon: Die Königlichen Kaninchen von London, Wood Books, 2017, € 18,00.

Das Marsprojekt – Das ferne Leuchten

Als ich soeben feststellen musste, dass der Arena Verlag noch nicht das neue Cover der äußerst gelungenen Sciencefiction Reihe „Das Marsprojekt“ zur Verfügung stellt, war ich zuerst erstaunt und auch ein kleines Bisschen verärgert. Bei genauerer Betrachtung finde ich es allerdings ausgesprochen amüsant. Eine Reihe, die in der Zukunft spielt und es wert ist, ein neues Cover zu bekommen, hinkt nun,  rein optisch, dem aktuellen Stand der Dinge hinterher.

Der Luft- und Raumfahrtingenieur Andreas Eschbach wendet sich in der fünfbändigen Reihe einem Thema zu, mit dem intensiv verbunden ist und das seit seinem Erscheinen im Jahr 2001 nichts an Aktualität und Faszination eingebüßt hat. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Je mehr sich der Lebensraum auf der Erde als endlich erweist, desto stärker wird der Wunsch nach neuen Welten im Sinne von neuem Lebensraum.

Im ersten Band treffen wir auf vier Jugendliche. Alle sind auf dem Mars geboren und jeder auf der Erde weiß, dass Ariana, Ronny, Carl und Elina die ersten Menschen sind, die von Anfang an ihr Leben auf dem fernen Planeten verbringen. Angesichts der überschaubaren Einwohnerzahl, ist der Prominentenstatus für die die vier kein Problem. Wirkliche Beeinträchtigungen müssen sie aus ganz anderen Gründen hinnehmen. Der Sauerstoffvorrat reicht immer nur für eine halbe Stunde, dann muss dringlichst Nachschub her. Wenn man mit diesem Problem aufwächst, hat man es verinnerlicht und begibt sich nicht unnötig in Gefahr. Es sei denn, man nimmt in der Ferne etwas wahr, was eine derart große Anziehungskraft hat, dass alles andere keine Rolle spielt. Etwas, dass man schon mehrmals gesehen hat und von dem alle anderen glauben es existiere nicht.

 

Buchtipp von Minea Süss

Ab 13 Jahre.

Eschbach, Andreas: Das Marsprojekt, Das ferne Leuchten, Arena, 2001, € 10,00.

 

Wilma Wackelzahn

Wilma hat ein Problem, ein großes Problem. Das Problem ist so groß, dass sie sich fast gar nicht mehr traut das Haus zu verlassen. Alle Kinder haben einen Wackelzahn und sind Mitglied im Wackelzahnclub. Nur bei Wilma wackelt nix. Alle Zähne sitzen eng beieinander im Mund und machen nicht die geringsten Anstalten sich auch nur einen Hauch nach links oder rechts, nach vorne oder hinten zu bewegen.

Ein kleines Bisschen habe ich damals auch darauf gewartet das erste Anzeichen eines sich langsam lösenden Zahns im Mund zu spüren. Wenn der erste anfängt sich zu bewegen, ist das schließlich auch der Beginn einer ganz neuen Zeit. Erst mit einem Wackelzahn ist man ein richtiges Schulkind. Wilma selber denkt allerdings gar nicht so weit. Für sie zählt nur endlich einen Wackelzahn zu haben. Denn nur mit Wackelzahn kann sie Mitglied im Wackelzahnclub werden. Verständlicher Weise ist es da kaum auszuhalten, dass Leo Strunz, Gründer und Vereinsvorstand des Wackelzahnclubs direkt drei Wackelzähne zu bieten hat.

Pfiffig und ideenreich wie Wilma ist, geht sie das Problem mit dem ihr eigenen Tatendrang an. Sie kocht und isst Wackelpudding in allen möglichen, Farben und Varianten, sie sitzt lange, sehr lange, auf einem Wackelkrokodil und schlussendlich kreiert sie den Wackelzahnzaubertanz. Keiner hat mehr Ausdauer als Wilma. An einem Sonntag ist es dann soweit. Beim Zähneputzen bewegt sich etwas …

Der erfrischende Humor und die unkonventionelle Art der Geschichte erzählen ohne den pädagogischen Zeigefinger von großen und kleinen Kindernöten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab Wackelzahnalter.

Tielmann, Christian: Wilma Wackelzahn, Carlen, 2017, € 14,99.

Ab die Post

Angesichts der aktuellen Wetterlage, die zwischen sommerlichen Temperaturen und wechselhaften Aprilwetter schwankt, sind Ideen für Aktivitäten in den eigenen vier Wänden gut zu gebrauchen. Die schönsten und witzigsten rund um das Thema Post hat Antje Stemm in einem Buch zusammengestellt. Allein das Titelbild macht auf den ersten Blick gute Laune, weckt aber auch die Neugier nach mehr. Denn dass es sich bei den Schreibvorschlägen zum Verschicken nicht um tägliche Allerweltspost handelt, lässt die genähte Postkarte ahnen.

Es wird dann auch nicht zu viel versprochen. Die Anregungen zu Papier und Stift oder ganz anderen Sachen zu greifen sind originell und machen sicherlich noch mehr Spaß, wenn man sich mit ein paar Freunden trifft und gemeinsam der Fantasie freien Lauf lässt. Wenn jeder ein Bisschen Material mitbringt, kann man wunderbar untereinander tauschen und Papier und Stoffresten, die es sicherlich in jedem Haushalt gibt eine ganz neue Gestalt geben. Die einzelnen Projekte sind gut erklärt und können Problemlos umgesetzt werden. Angesichts eines in Bonn ansässigen Süßwarenherstellers sollten die  „Anleck Umschläge mit Geschmack“ unbedingt ausprobiert werden. Gummibärchen als Klebemittel – auf die Idee muss man erst mal kommen.

Neben solch kuriosen Vorschlägen, gibt es aber auch viele geschickt eingebaute Sachinformationen, die die ganze Bandbreite zum Thema Post abdecken und im Zeitalter von WhatsApp und Co das Eintauchen in eine analoge Bastel- und Schreibwelt fördern.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahren.

Stemm, Antje: Ab die Post! Wie du Briefe schreibst, Überraschungspakete schnürst und Badelatschen verschickst, Gerstenberg, 2017, €19,95.

Friedemann

Vier ältere Schwestern zu haben ist schon Schicksal genug, aber dann auch  noch eine Abneigung gegen Anziehsachen jeglicher Art zu entwickeln, ist einfach gemein. Mein persönlicher Widerwille gegen eine quietschgelbe Strumpfhose und einen selbstgestrickten  geringelten Pullover im besten Kindergartenalter ist mir noch sehr lebhaft in Erinnerung. Beides empfand ich, wie Friedemann, als absolut unangenehm auf der Haut. Die Farbe des wärmenden Beinkleids sticht mir zudem heute noch in den Augen. Meiner Begeisterung für Kleidung jeglicher Art hat dies allerdings keinen Abbruch getan.

Der fünfjährige Friedemann hingegen braucht zwischendurch eine Auszeit von Pullover, Jacken, Unterhemden und was der Kleiderschrank sonst noch zu bieten hat. Einzig seine Turnschuhe zieht er gerne an und auch nicht wieder aus. Sabine Büchner und Simone Hennig erzählen die witzig-skurile Geschichte in Wort und Bild mit viel Augenzwinkern und Verständnis für die Nöte des Jungen. Einen wahren  Verbündeten findet der nämlich in seinem Opa Kurt. Bei genauem Hinsehen wird schnell klar, dass Opa Kurt auch einen sehr eigenen Standpunkt zum Thema Mode und Bekleidung vertritt. Nach dem Motto schön ist, was gefällt, wird die Hose falsch herum getragen, zieren unterschiedliche Schuhe und Socken die Füße und das Hemd hat auch eine ausgesprochen interessante Knöpfung. Vielleicht liegt diese bunte Mischung aber auch an dem Fehlen von Opas Brille. Wer genau hinschaut, kann das gute Stück auf verschiedenen Seiten entdecken. Hinschauen ist überhaupt ein Stichwort, dem nachzugehen sich unbedingt lohnt. Alleine die Bilder erzählen eine Geschichte, bei der man wie ein Detektiv Dinge entdecken kann, die sich am Ende zu einer Einheit zusammenfügen. Denn, soviel darf hier verraten werden – Friedemann hat am Ende etwas gefunden, das „so weich wie eine Umarmung“ ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahren.

Büchner, Sabine; Hennig, Simone: Friedemann, Ravensburger, 2017, € 13,00.

 

 

Optische Illusionen – Verblüffende Tricks und Farbenspiele

Wer bei einem Buch über optische Illusionen an eine Spielerei denkt, die nur mit Gucken, bzw. auf  z. T. merkwürdig erscheinende Bilder zu starren, zu tun hat, wird schnell merken, dass der Weg über die Sinnestäuschung schnurstracks in die Tiefen von Physik, Biologie, Hirnforschung und Psychologie führt. Kurzweiliger, spannender und interessanter kann Lernen nicht sein. Vor allem weil man gar nicht merkt, dass jeder optische Zaubertrick mit zahlreichen Sachinformationen versehen ist, die in kleinen sehr überschaubaren und gut verständlichen Portionen daherkommen. Fasziniert von sich plötzlich drehenden Kreisen, liest man automatisch den kurzen Text, um die Begründung für dieses Phänomen zu erhalten.

Mir persönlich ging es so, das ich viele Texte mehrmals gelesen habe, weil ich gar nicht glauben wollte, das sich in dem still auf dem Tisch liegenden Buch Dinge durch bloße Betrachtung zum Leben erwecken lassen. In 12 Kapiteln wird man als Leser systematisch in die Welt der Farben, Formen und Täuschungen mit all ihren Auswirkungen auf unser Auge und Gehirn eingeführt. Neben den vielfältigen Beispielen optischer Tricks, beinhalten manche Seiten zusätzliche Überraschungen. Sehr schön gemacht ist z. B. das Pop-up-Element ganz am Anfang. Um dem Ursprung der Farbe auf den Grund zu gehen, wird mithilfe eines aufplopenden Regenbogens veranschaulicht, dass dies der Effekt ist, der entsteht, wenn ein weißer Lichtstrahl durch ein Prisma gelenkt wird.

Das Buch ist ein Spaß für die ganze Familie und lädt immer wieder dazu ein, es einfach zur Hand zu nehmen, aufzuschlagen und sich von den dargebotenen Illusionen in Bann ziehen zu lassen.

Buchtipp von Minea Süss

  • Ab 9 Jahre
  • Dorling Kindersley, Optische Illusionen – Verblüffende Tricks und Farbenspiele, 2015, 16,95 Euro