Informationen zu aktuellen Öffnungszeiten

Liebe Kunden*Innen,

ab Montag, den 20.04.2020 dürfen wir endlich unsere Türen wieder öffnen.

Wir freuen uns sehr, sie wieder mit frischer Lektüre und Artikeln rund ums Buch versorgen zu können.  Wir sind jeden Tag von 9:30-18:30 Uhr für Sie da, Samstags von 10:00-16:00 Uhr.

Selbstverständlich werden wir alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen treffen, um Sie uns uns zu schützen.

Das Team vom „kleinen laden“e.V.

Die kleine Waldfibel

Es gibt Bücher, die sollte man nicht nur lesen, die sollte bzw. muss man einfach anfassen. „Die kleine Waldfibel“ von Linda Wolfsgruber ist ein solches Buch. Der einem Stück Holz nachempfundene Einband sieht täuschend echt aus und fühlt sich zudem tatsächlich an wie ein Stück Holz. Der eingeprägte Hirschkäfer und die Waldsilhouette erhöhen zusätzlich die Attraktivität des Einbands und haben bei mir dazu geführt, dass ich ein um das andere Mal versonnen mit der Hand über den Buchdeckel strich. Ist das Buch von außen schon ein kleines Kunstwerk, setzt sich dieser Eindruck auf das Schönste im Inneren fort. Unter gestalterischen aber auch inhaltlichen Aspekten setzt sich dieses schön gestaltete kleine Büchlein angenehm von der Titelvielzahl zu diesem ausgesprochen populären Thema ab.

Bevor auf der Sachebene wissenswertes rund um den Wald und seine Bewohner dargeboten wird, wird die Schönheit dieses Ortes auf sprachlicher Ebene in Form eines Liedes und eines Gedichts gewürdigt. Es folgt ein Spaziergang durch alle vier Jahreszeiten. Der Ertrag dieses Waldganges trägt ganz unterschiedliche Früchte. Rezeptvorschläge öffnen den Blick für die essbaren Früchte des Waldes, die sich über das Jahr verteilt finden und verarbeiten lassen. Die Hauptvertreter unter den Bäumen werden im Sommer und Winterkleid mitsamt ihrem Fruchtstand gezeigt. Besonders schön sind die Seiten, auf denen die Sommertracht auf Pergamentpapier gedruckt ist und sich leicht durchscheinend auf die laublose Jugendvariante des Baumes legt. Auf diese Weise wird nachvollziehbar, wie sich der jeweilige Baum vom Jugend bis ins Erwachsenenalter in seiner Gestalt verändert.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Wolfsgruber, Linda: Die kleine Waldfibel, Kunstanstifter, 2020, € 22,00.

 

Kleiner grüner Esel

Geschmäcker sind nicht nur verschieden, nein sie können sich im Laufe der Zeit durchaus verändern oder aber sie sind in einer bestimmten Geschmacksphase total festgefahren. Dinge, die mir munden, kann ich mit großem Appetit und mit Wonne durchaus regelmäßig zu mir nehmen. Die Ausschließlichkeit mit der Bruder Nummer eins und zwei in den tiefsten Pubertätswirren streichfähige Nüsse auf dem Brot nicht nur zum Frühstück, sondern über den ganzen Tag verteilt zu sich nahmen, ist mir allerdings bis heute verwehrt geblieben.

Mit einem deutlichen Augenzwinkern erzählt Anuska Allepuz von der ungebrochenen Begeisterung eines kleinen Esels für grünes Gras. In Maßen genossen ist diese Speise erfrischend, gesund, schmackhaft und überhaupt ganz wunderbar. Doch wenn der von der Eselmama angeregte Blick über den Tellerrand geflissentlich überhört und übersehen wird, stellt sich allmählich heraus, dass eine einseitige Ernährung nicht ohne Folgen bleibt. Derweil das Eselchen uns in munteren Reimen von seiner Leibspeise in sämtlichen Facetten berichtet, sehen wir schon, dass sich das schicke Eselsgrau an einigen Stellen ins grünliche verfärbt. Was langsam beginnt, entwickelt innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Eigendynamik. Aus grau wird grün und der Blick in die spiegelnde Wasserfläche wirkt fremd. Nun ist guter Rat teuer. Oder auch nicht. Die Frau Mama unterbreitet – mit Birne in der Hand – erneut ihren Vorschlag andere Leckereien auszuprobieren. Mit ungeahntem Eifer stürzt sich der Sprössling in ein Geschmacksabenteuer, dessen Ausgang nicht ganz so überraschend ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Buchtipp von Minea Süss

Ab drei Jahre.

Allepuz, Anuska: Kleiner grüner Esel, Magellan, 2020, € 14,00.

Fred bei den Wikingern -Jarl Ragnalds Vermächtnis

Ginge es nach dem Titelbild, hätten der Protagonist Fred und meine Wenigkeit nicht zueinander gefunden. Die leicht raue Oberfläche des Einbands sowie der Reliefdruck des Titels haben schließlich dazu geführt, dass ich anfing in dem Buch zu blättern. Schon nach kurzer Zeit hatte ich mich festgelesen. Birge Tetzner ist es gelungen, einen fundierten Abenteuer-Sachroman zu schreiben, der durch seine übersichtliche Gestaltung, klare Sprache und faszinierende Illustrationen den Leser in seinen Bann zieht. Möglich gemacht wird Freds Abenteuer durch seinen weltenbummelnden Opa Alfred. Ausgerechnet aus dem schwül heißen Brasilien ruft der unternehmungslustige ältere Herr seinen Enkel zu nachtschlafender Zeit an, um ihm munter sein neuestes Reisevorhaben zu unterbreiten. Die nächste Reise soll in den hohen Norden gehen und Enkel Fred soll mit. Bevor dies passiert, haben wir als Leser schon Bekanntschaft mit einem Teil der Nordmänner gemacht. Im ersten Kapitel wird anschaulich von einem Fest erzählt, bei dem die ganze Dorfgemeinschaft zusammen gekommen ist. Gastgeber ist das Oberhaupt des Dorfes, Jarl Ragnald. Spezial- bzw. Fachbezeichnungen wie „Jarl“ sind farblich hervorgehoben und mit einem Sternchen versehen. Hinten im Buch gibt es ein Glossar zum Nachschlagen. Zur besseren Übersicht ist das Glossar in Themenbereiche wie „Schiffsbau“, „Leben und Alltag“ sowie „Götter, Mythen, Nordmannworte“ unterteilt. Im Anschluss daran findet sich eine Erklärung zu Ausspracheregeln des Altnordischen. Abgerundet  wird das Ganze mit der Rubrik „Weiterforscher“. Neben weiterführenden Lesetipps gibt es auch eine umfangreiche Zusammenstellung von „Wikingerorten“ wie Schweden, England, Frankreich usw. Um unnötiges Hin- und Herblättern zu vermeiden, sind viele Sachinformationen in kurzen Textblöcken parallel zum Fortlauf der Geschichte eingeflochten. Eindrucksvolle Illustrationen unterstreichen die Spannung und geben einen Einblick in das Leben der Menschen. Wer wissen will, wie Fred nun genau zu den Wikingern gelangt, der sollte dieses kurzweilige Buch unbedingt lesen und den nächsten Urlaub in den Norden verlegen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Tetzner, Birge: Fred bei den Wikingern – Jarl Rainalds Vermächtnis, Ultramar Media, 2019, € 22,00.

Meine Freunde, das Glück und ich

Feste sind toll und am besten feiert man sie wie sie fallen. Dass auch die Vorbereitung im weitesten Sinne schon eine feierliche und freudige Angelegenheit ist, zeigt uns Violetta. Mit großer Begeisterung und Feuereifer lässt uns die charmante Erzählerin der so lebensfroh in Szene gesetzten Bilderbuchgeschichte an den Vorbereitungen des Stadtteilfestes teilhaben. Zusammen mit ihren Freundinnen und Freunden beginnt sie unmittelbar nach der Bekanntmachung mit den Vorbereitungen. Da ist einiges zu tun. Schließlich muss der große schöne Platz in ihrem Viertel geschmückt werden.

Da ein Stadtteilfest eine Gemeinschaftsangelegenheit ist, zu der alle, die dort wohnen eingeladen sind, ist es selbstverständlich, dass auch bei den Vorbereitungen viele verschiedene Leute mithelfen. Violetta stellt sie uns alle vor. Ohne es zu merken, werden wir ein Teil dieser Gemeinschaft. Wir lernen die Familien von Violettas Freunden kennen. Vollkommen selbstverständlich werden auf diese Weise die unterschiedlichsten Familienmodelle vorgestellt. Es gibt z. B. die Regenbogenfamilien mit zwei Mamas oder zwei Papas, das Mama – Papa – Modell usw. Im Mittelpunkt steht immer der Gedanke, dass jeder etwas beisteuern kann, egal ob es groß oder klein, preiswert oder teuer ist. Was zählt, ist die gemeinsame Freude an der Vorbereitung und die Mithilfe. Bei so viel Einsatz ist Platz bald fertig geschmückt. Erschöpft und glücklich fallen alle ins Bett und freuen sich auf den kommenden Tag. Mit dem Unwetter in der Nacht hat keiner gerechnet. Jetzt wird sich zeigen, ob sie wirklich alle eine große Familie sind, die füreinander einsteht.

Buchtipp von Minea Süss

Ab vier Jahre.

Roca, Elisenda: Meine Freunde, das Glück und ich, ellermann, 2020, € 15,00.

GAR NICHTS VON ALLEM

Dass Quantität nichts mit Qualität zu tun hat, bewahrheitet sich gerade bei Büchern immer wieder. Das schmale Bändchen von Autor Christian Duda kommt nicht nur im Hinblick auf die Seitenzahl bescheiden daher, nein schon im Titel wird in Großbuchstaben verkündet, dass es um Nichts geht. Dieses Nichts wird am Ende von dem elfjährigen Magdi, aus dessen Sicht sich die Erzählung in 32 sogenannten Berichten entfaltet präzise benannt.“Das war alle Tage nur Alltag.“ S. 147 Im Folgesatz kommt aber die entscheidende Ergänzung. „Er wird nur durch das Aufschreiben irgendwie wichtig.“ S. 147

Dieser elfjährige führt also kein klassisches Tagebuch, sondern lässt uns durch die  zeitlich nicht eindeutig zuzuordnenden Berichte unmittelbar an seinem Alltag teilhaben. Es ist der Alltag einer binationalen Familie. Der Vater unerbittlich streng, die Mutter bemüht es allen recht zu machen und das Bild nach außen zu wahren. Für Magdi und seine drei Geschwister ist jeder Tag aufs Neue eine Herausforderung. Es gilt den hohen Anforderungen der Eltern zu genügen, die an vielen Stellen nicht nachvollziehbare und ungerechte Härte des Vaters zu ertragen und in der Schule damit zurechtzukommen, dass man als „anders“ wahrgenommen wird. Es ist auch der Spagat zwischen zwei Kulturen, der Magdi und seine Geschwister Kraft kostet und immer wieder die Frage aufwirft, wo und wie sie sich eigentlich zugehörig fühlen. Gerade aus dem Benennen und Aufschreiben ergibt sich am Ende für die Geschwister, die das Werk des Bruders lesen dürfen die Erkenntnis wir gehören zueinander und wir stehen füreinander ein. Denn Magdi erzählt nicht nur von sich, nein er beobachtet auch sehr genau, wie es den Brüdern und der Schwester ergeht. Damit gibt er nicht nur allen eine Stimme sondern schafft auch ein festes Band der Verbundenheit.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Duda, Christian: GAR NICHTS VON ALLEM, Gulliver, 2019, € 6,95.

Bin doch kein Angsthase

Nichte Nummer Drei ist ohne ihr Kuscheltier selten anzutreffen. Das Schaf (einfach Schaf genannt) hat farblich viel von seinen lebendigen Artgenossen. Das war nicht immer so und ist weniger der innigen Beziehung als der Tatsache geschuldet, dass Schaf damit leben muss, regelmäßig auf dem Boden abgelegt zu werden. Ebenso regelmäßig muss das genügsame Tier damit leben, dass die stolze Besitzerin ihren Gefühlen freien Lauf lässt und wenn ebendiese Gefühle nicht in einer Umarmung münden, dann in einem herzhaften in die Nase beißen, was von dem guten Tier kommentarlos hingenommen wird. Um den Stellenwert von Schaf in ihrem Leben zu benennen, ist meine Nichte noch zu klein. Der Junge in dem anrührenden Bilderbuch „Bin doch kein Angsthase“, weiht uns schon auf den ersten Seiten in das Geheimnis seiner Standhaftigkeit, seines Mutes  und seiner Zuversicht ein. Ein Kuscheltier, ein Hase um genau zu sein, ist immer an seiner Seite und bestärkt das Kind in verschiedenen Alltagssituationen. Diese werden von dem Jungen kurz geschildert, dann folgt jeweils die die Aussage „Aber Angst hab ich keine!“, anschließend werden wir als Lesende mit der Frage „Weisst du warum?“ direkt angesprochen und zum Nachdenken aufgefordert. Auf der nächsten Seite erfahren wir dann, dass das Stofftier (ein Hase) für Stärke und Mut sorgt. Am Ende gibt es aber außer dem geliebten Hasen noch zwei Zweibeiner, die tatsächlich die Funktin des Häschens bei weitem übertreffen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Barroux, Bin doch kein Angsthase, Schaltzeit Verlag, 2019, €16,00.

 

 

Achtung, fertig – selber nähen

Selber nähen macht Freude und neben der Freude darf man auch ein bisschen stolz auf das Endergebnis sein. Zudem erfüllt mich der Abschluss einer Näharbeit (auch wenn es mal nicht ganz so perfekt geworden ist) immer mit einer tiefen Zufriedenheit. Die Tage habe ich für Nichte Nummer vier den Dackel, den schon die Schwestern zum ersten Weihnachtsfest bekommen haben fertiggestellt. Obwohl es nun schon das dritte Dackeltier war, ist diese Art zu nähen immer wieder eine Herausforderung. Beim Blättern in Jane Bulls Nähbuch für Kinder habe ich mit Begeisterung tolle Nähprojekte gefunden, die sich wunderbar aus Stoffresten machen lassen und die ideal als Einsteigerprojekte für Kinder sind. Um den Sprung ins kalte Wasser zu vermeiden, führt uns die Autorin Schritt für Schritt an die Nähmaschine heran. Als Beispiel dient hier eine einfache Haushaltsmaschine, deren Funktionen gut auf andere Modelle übertragbar sind. Von den einzelnen Funktionen bis hin zum Einfädeln des Fadens und dem Einsetzen der Spule, wird alles in kurzen gut verständlichen Texten mit entsprechendem Foto erklärt. Bevor es richtig losgeht, werden wir zu einer „Probefahrt“ auf einem rechteckigen Stück Stoff eingeladen, auf dem alle Sticharten  und Formen der Nahtführung ausprobiert werden können. Es folgen wichtige Techniken, Nähutensilien und auch nützliche Sticharten, die mit der Hand ausgeführt werden. Nun kann man aus einer Vielzahl an schönen Projekten auswählen, was man machen möchte. Das Angebot reicht von kleinen Reißverschlussmäppchen, über Handschuhe, Kissen, Stoffkörben, Puppen, Turnbeuteln und Schürzen. Die Schnittmuster sind im Buch enthalten. Dekoratives und praktisches ist in einem ausgewogenen Verhältnis vorhanden und eignet sich auch gut als selbstgemachtes Geschenk.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Bull, Jane: Achtung, fertig – selber nähen!, Dorling Kindersley, 2015, € 12,95.

Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow

Mit Magie begabte Wesen bevölkern nach wie vor für sämtliche Altersgruppen die Literatur. Spätestens seit Harry Potter weiß die geneigte Leserschaft, dass zaubern kein Kinderspiel und damit keinesfalls die pure Freude ist. Magie muss entfaltet, d. h. gelernt werden. Allein die Fähigkeit sie zu besitzen reicht nicht aus, um Gegenstände zum Verschwinden zu bringen. Was bei unsachgemäßer Anwendung alles passieren kann, führt uns Goethe in seiner zeitlos schönen Ballade vom „Zauberlehrling“ vor. Ein weitaus tragischeres Schicksal als Harry Potter und der aus der Feder eines der bekanntesten Schriftsteller deutschsprachiger Literatur  entsprungene Junge, hat Simon Snow.

Auf den ersten Blick scheint die Figur von Rainbow Rowell eine Art Zwillingsbruder des besagten Hogwartsschülers zu sein. Mit jeder Seite, die man tiefer in die Geschichte eintaucht, wird klar, dass Simon Snow in vielen Dingen doch erfrischend anders ist. Zudem ermöglichen die verschiedenen Erzählstimmen den Held der Geschichte aus jeweils vollkommen anderen Perspektiven zu erleben. Am Ende ergibt sich aus diesen Puzzleteilen das komplexe Gesamtbild eines jungen Mannes, der trotz widrigster Umstände seinen Platz im Leben findet und frohen Mutes nach vorne blickt. Trotzdem blieb bei mir am Ende der Lektüre ein mulmiges Gefühl zurück. Die Autorin lässt uns durch die einzelnen Erzähler Informationen zukommen, die Simon nicht zugänglich sind. Die Stimme der toten Mutter, die vollkommen unbedarft erzählt, unter welchen Umständen ihr Sohn gezeugt wurde, ohne zu erkennen, dass sie von ihrem Partner als Mittel zum Zweck benutzt wurde, stimmt sehr nachdenklich. Dass diesem Mann, der von seinem Sohn zu keinem Zeitpunkt als Vater erkannt wird so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit widerfährt macht die Sache nicht besser.  Der bisweilen selbstironische oder von schrägen und trockenem Humor getragene Ton der jugendlichen Stimmen sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis von Spannung und Witz.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 14 Jahre.

Rowell, Rainbow: Der Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow, dtv, 2019, € 10,95.

 

Ariadnes Faden

Aufgrund meines Vornamens ist mir eine gewisse Nähe zu den alten Griechen praktisch in die Wiege gelegt worden. Da meine Namensvetterin darüber hinaus angeblich ihr Leben im Labyrinth des Minotaurus lassen musste, ist es geradezu meine Pflicht, mich mit dem opulent gestalteten Labyrinthe-Buch von Jan Bajtlik näher zu befassen. Natürlich habe ich im Inhaltsverzeichnis zuerst nach besagtem Minotaurus geschaut. Fündig geworden habe ich (durchaus erleichtert) festgestellt, dass zwar auf die Opfer hingewiesen, auf eine namentliche Nennung aber verzichtet wird.

Nachdem das geklärt war, habe ich wieder vorne angefangen und war schon beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses vollkommen fasziniert. Jedes der 25 Labyrinthe steht für einen Teil griechischer Geschichte. Mythologie und Historie werden dabei gleichermaßen berücksichtigt, sodass ein ausgewogenes Bild entsteht. Spielerisch führen die kunstvoll gestalteten Labyrinthe in die Welt des antiken Griechenlands. In einem kurzen Vorwort und einer noch kürzeren Gebrauchsanweisung wird erklärt wie, man sich den Inhalt am besten erschließt. Folgt man diesen Ratschlägen, befindet man sich unversehens auf einer abenteuerlichen Reise, auf der man ganz nebenbei eine Menge über die griechische Götter- und Sagenwelt erfährt. Spiel, Spaß und Faktenwissen ist in diesem beeindruckenden Buch auf das schönste vereint. Am besten schlägt man es einfach auf und legt los. Dieser spontane Zugang ist auch möglich und vielleicht noch schöner und abenteuerlicher als der Weg über das Inhaltsverzeichnis.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Bajtlik, Jan: Ariadnes Faden, Götter, Sagen, Labyrinthe, Moritz Verlag, 2019, € 24,00.